Die Geschichte der Aromatherapie

Die Geschichte der Aromatherapie reicht bis weit vor unsere Zeitrechnung zurück.
Der Wunsch, den unsichtbaren Duft einzufangen, ist viele Jahrhunderte, wahrscheinlich sogar Jahrtausende alt. Schon in frühen Kulturen begannen die Menschen, ihren Göttern Rauchopfer dazubringen, um ihre Gunst zu erbitten. In heiligen Zeremonien wurden Pflanzen und Hölzer verbrannt, um den Gott durch den Duft, der auf die Menschen so einzigartig wirkte, für sich einzunehmen.

Schon im alten Ägypten wurden die Toten gesalbt und mit Duftwasser besprengt, um sie auf das ewige Leben vorzubereiten. Damals wurde das Wissen um die Düfte als eine heilige Tätigkeit angesehen- priviligiert jener, der es zu nutzen wusste. Die Berauschung durch Düfte spielt in der modernen Mittelalter- Forschung eine Rolle. So finden sich im „Liber visionum“ des Otloh von St. Emmeram häufige Erwähnungen von Weihrauch und Räucherungen, was auf eine herbeigeführte Berauschung und die damit einhergehenden Visionen schließen lässt.

Mittelalterliche Mönche und Nonnen, die das Wissen um die Kräuter pflegten und weitergaben, standen oft in Konflikt, antike Texte zu bearbeiten, die in Kontrast zur Meinung der Kirche standen. Die Hexenverfolgungen geben ein Beispiel dafür, wie in mittelalterlichen Gerichtsakten mit der Angst vor dem heidnischen Unbekannten gespielt wurde. Den Angeklagten wurden Rituale nachgesagt, mit denen sie ihre Salben und Tinkturen wirksam machen konnten. Hildegard von Bingen bildet in ihrer Beschäftigung mit Kräutern eine Ausnahme- sowohl als Nonne in ihrem Wissen, als auch in ihrer Eigenschaft als Kräuterkundige und Vertreterin der christlichen Mystik, was eine auf den ersten Blick unvereinbare Ambivalenz darstellt.

Die Alchemisten fanden schließlich Wege zur Destillation und ebneten so den Weg für den Arzt Paracelsus, der die Wirkung der ätherischen Öle erstmals mit bestimmten Inhaltsstoffen in Verbindung brachte. Obwohl Düfte und Salben schon lange aus dem Orient gehandelt wurden, brach im 18. Jahrhundert in Europa das „Parfum- Zeitalter“ an. Dieser neue Trend war dahingehend zu begründen, dass die tägliche Berührung der Haut mit Wasser als ungesund galt und man dringend den Gestank in den Städten (die zu dieser Zeit immens wuchsen) überdecken musste. Venedig war der wichtigste Hafen für den Duftimport; die französische Stadt Grasse wurde zum Zentrum der Parfumherstellung. Hierhin lässt Patrick Süskind auch seinen Protagonisten Jean- Baptiste Grenouille ziehen, um ihn entdecken zu lassen, wie er einen Duft für immer konserviert.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Heilkraft ätherischer Öle von dem französischen Chemiker René- Maurice Gattefossé für die moderne Medizin wiederentdeckt, nachdem sich Düfte schon synthetisch herstellen ließen und nicht mehr auf die Qualität geachtet wurde. Gattefossé prägte den Begriff aromathérapie und behandelte die Verwundeten des Ersten Weltkriegs in den Lazaretten mit ätherischen Ölen.

Er stellte fest, dass es gegen Fieber half und die Wundheilung rascher herbeiführte. Auch stärkten die Öle den Lebenswillen der Verwundeten. Im Zweiten Weltkrieg setzte der Arzt Dr. Jean Valnet, basierend auf dem 1937 von Gattefossé erschienenen Buches „Aromathérapie“, erfolgreich ätherische Öle ein. Zwar drohten die synthetischen Duftstoffe bald, die ätherischen Öle zu verdrängen, doch dank der Arbeit von Gattefossé und Valnet blieb die Aromatherapie in der Wissenschaft bestehen. Prof. Paolo Rovesti richtete als Erster einen Lehrstuhl für Aromatherapie an der Universität Mailand ein. Inzwischen interessieren sich viele Menschen weltweit für die sanfte Aromatherapie- ob einzeln oder begleitend.

Die Aromatherapie hat mit Sicherheit auch eine große Zukunft, denn der Mensch als Ganzes steht wieder im Mittelpunkt der Betrachtungen. Die Akzeptanz, dass die Psyche eine Rolle in der Erhaltung der Gesundheit spielt und dass ätherische Öle auf sie einwirken können, verschafft der Aromatherapie eine Basis, auf die Ärzte und Pharamzeuten heute bauen können.

Literatur:

Fischer- Rizzi, Susanne: Himmlische Düfte; AT Verlag, Aarau 2002
Tuczay, Christa: Ekstase im Kontext: Mittelalterliche und neuere Diskurse einer Entgrenzungserfahrung, Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main 2009

Werner, Monika und Ruth von Braunschweig: Praxis Aromatherapie; Verlag Karl F. Haug, Stuttgart 2006

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